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    Castellabate

    In Kampanien kann es im Oktober noch ziemlich heiß sein – Castellabate macht da keine Ausnahme. Ich schleppe mich in der Hitze eine der malerischen Gassen bergan. Vor mir liegen ein paar Katzen träge auf den Stufen. In der nächsten, nicht mehr weit entfernten Biegung steht eine Holzbank unter einer Bougainvillea, die zwei alte Männer hübsch einrahmt, die dort sitzen und sich unterhalten, wie es wohl nur alte Männer tun. Der eine sagt was. Pause. Der andere sagt was. Pause. Der erste sagt wieder was. Lange Pause. Dabei schauen sie geradeaus aufs Meer, das Castellabate zu Füßen liegt und hinter mir in der Sonne glitzert wie ein Teppich aus Diamanten. Ich wäre jetzt gern dort unten am Wasser, aber der Plan für heute sieht vor, dass ich mir ein Kleinod der italienischen Ortschaften anschaue – und seine Einwohner. Ich halte inne, die beiden Männer nicken mir zu, ich nicke zurück und beschließe, kurz auf einer Steinstufe im Schatten eine Pause zu machen. Der rechte der beiden trägt einen Strohhut, der linke hat seine Hände vor sich auf einem Spazierstock aufgestützt. Neben dem rechten liegt eine Katze auf der Bank, besser gesagt ein Kater. Das kann ich an dem mir zugewandten Hinterteil gut erkennen. Alle Männer und Katzen dösen mehr oder weniger vor sich hin, der Strohbehütete krault dem Kater den Bauch, dessen Schwanzspitze sich auf dem Bein des alten Mannes in Zeitlupe auf und ab bewegt. Hin und wieder sagt einer der beiden Alten etwas, der andere lächelt dann, nickt leicht, verzieht keine Miene oder sagt etwas wie „eh, sì, eh“. Dann plötzlich öffnet sich eine blaue Tür, eine Frau tritt in die Gasse und bellt: „Carlo! Pranzo!“ (Carlo! Mittagessen!) Alle Männer und Katzen haben ihre Köpfe zu der Frau gedreht, die sofort wieder im Haus verschwunden ist. Ich warte gespannt. Die Männer schauen weiter aufs Meer, die Katzen haben ihre Köpfe wieder auf die Pfoten gelegt. Nur der Kater auf der Bank streckt die Beine und erhebt sich, macht einen Buckel und reibt seinen Kopf kurz nonchalant am Bein seines Wohltäters, bevor er sich auf den Weg macht und Richtung geöffnete Tür trottet. Die beiden alten Männer sagen wie aus einem Mund: „Ciao, Carlo!“ Der Kater hält kurz inne, seine Schwanzspitze zuckt, dann verschwindet er im Haus.

    „Gibt es irgendwas in der Welt, durch das unser Leben lebenswert wird?“ fragte Allesweiß bitter. Tod überlegte. „KATZEN, sagte er schließlich. JA, KATZEN SIND RECHT NETT.“

    Terry Pratchett (in: Der Zauberhut)